{"id":7764,"date":"2026-06-14T07:54:16","date_gmt":"2026-06-14T05:54:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/?p=7764"},"modified":"2026-09-14T12:18:01","modified_gmt":"2026-09-14T10:18:01","slug":"warum-maenner-beim-fussballschauen-mehr-emotionen-zeigen-und-was-das-ueber-emotionsregulation-verraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/warum-maenner-beim-fussballschauen-mehr-emotionen-zeigen-und-was-das-ueber-emotionsregulation-verraet\/","title":{"rendered":"Warum M\u00e4nner beim Fu\u00dfballschauen mehr Emotionen zeigen und was das \u00fcber Emotionsregulation verr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Mit Beginn der WM entsteht ein Raum, in dem Gef\u00fchle sichtbarer werden als sonst, weil Menschen sich in einer gemeinsamen Bewegung befinden, die sie emotional tr\u00e4gt, ohne dass sie erkl\u00e4ren m\u00fcssen, warum sie gerade so reagieren. Es ist ein Moment, in dem sich zeigt, wie stark kollektive Situationen Emotionen freisetzen k\u00f6nnen, die im Alltag oft reguliert, verschoben oder in stillere Formen gegossen werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum M\u00e4nner im Fu\u00dfballkontext anders f\u00fchlen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Vor allem bei M\u00e4nnern l\u00e4sst sich beobachten, dass Emotionen, die im privaten Kontext eher kontrolliert oder zur\u00fcckgehalten werden, pl\u00f6tzlich offen zutage treten, weil der Rahmen es erlaubt und weil die kollektive Stimmung eine Art Schutz bietet, der im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch h\u00e4ufig fehlt. Gef\u00fchle, die im Alltag vorsichtig dosiert werden, d\u00fcrfen im Stadion oder vor dem Fernseher lauter werden, weil sie nicht pers\u00f6nlich gemeint sind, sondern Teil eines gemeinsamen Erlebens.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was die Forschung zur WM 2018 zeigt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Die Studie von G\u00f6tz und Kolleginnen zur WM 2018 zeigt, dass Zuschauer starke emotionale Schwankungen erleben, die sich eng an den Verlauf des Spiels anlehnen und sich verst\u00e4rken, wenn viele Menschen gleichzeitig schauen. Es ist weniger ein individuelles Erleben als ein gemeinsames Schwingen, das sich \u00fcbertr\u00e4gt und dadurch leichter zug\u00e4nglich wird. Die Intensit\u00e4t entsteht nicht nur durch Fan\u2011Status, sondern vor allem durch die kollektive Situation, in der Emotionen geteilt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein pers\u00f6nlicher Moment, der mehr \u00fcber Emotionsregulation erz\u00e4hlt als \u00fcber Sport<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Ich habe diese Dynamik nicht zuerst im Stadion verstanden, sondern in einer Beziehung, in der ein Partner mich vergessen hatte und sp\u00e4ter sagte, ich m\u00fcsse es nachvollziehen k\u00f6nnen, weil Fu\u00dfball seine erste und l\u00e4ngste Beziehung sei. Er war nicht erreichbar gewesen, weil er ein entscheidendes Spiel schaute, es ging um den Abstieg oder Verbleib in der Liga. Diese Aussage erz\u00e4hlte mehr \u00fcber Emotionsregulation als \u00fcber Sport. Er zeigte, wie tief verankert bestimmte emotionale R\u00e4ume sein k\u00f6nnen und wie selbstverst\u00e4ndlich manche M\u00e4nner sich in ihnen bewegen, w\u00e4hrend andere R\u00e4ume f\u00fcr sie schwer zug\u00e4nglich bleiben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Emotionen im Kollektiv und Emotionen im Privaten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Im Workshop zum Theaterst\u00fcck \u201eSpielerfrauen\u201c habe ich dar\u00fcber gesprochen, wie M\u00e4nner im Stadion weinen k\u00f6nnen, aber im Alltag kaum \u00fcber ihre Gef\u00fchle sprechen, wie sie im Kollektiv N\u00e4he empfinden, aber im Privaten Distanz halten, und wie sie im L\u00e4rm eines Spiels emotional aufgehen, w\u00e4hrend sie im Gespr\u00e4ch mit einer nahestehenden Person vorsichtig, kontrolliert oder zur\u00fcckhaltend bleiben. Es wurde deutlich, dass es nicht um fehlende Emotionen geht, sondern um die Frage, wo sie sichtbar werden d\u00fcrfen und wo nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was diese Muster \u00fcber Beziehungen verraten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Es geht dabei nicht um Schuld, sondern um Muster, die sich \u00fcber Jahre bilden, um R\u00e4ume, die Gef\u00fchle erlauben, und um R\u00e4ume, die sie begrenzen. Es geht um die Art und Weise, wie Emotionsregulation gelernt wird, wie sie sich im K\u00f6rper niederschl\u00e4gt und wie sie sich in Beziehungen zeigt, manchmal leise, manchmal laut, manchmal nur im Kollektiv.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Emotionen brauchen R\u00e4ume, keine Erkl\u00e4rungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Vielleicht ist das der eigentliche Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Emotionen fehlen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Sondern Orte, an denen sie gehalten werden k\u00f6nnen, ohne dass jemand bef\u00fcrchten muss, zu viel zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gedankenimpulse zur Selbstreflexion<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\">Welche R\u00e4ume erlauben mir, Gef\u00fchle zu zeigen, ohne sie begr\u00fcnden zu m\u00fcssen?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Welche Emotionen verschiebe ich in kollektive Situationen, weil sie im Privaten schwerer zug\u00e4nglich sind?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Welche Erwartungen an M\u00e4nnlichkeit beeinflussen, wie M\u00e4nner in meinem Umfeld Emotionen zeigen?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Welche Rolle spielt Sicherheit f\u00fcr meine eigene Emotionsregulation?<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Welche Gef\u00fchle werden in Beziehungen sichtbar und welche bleiben im Hintergrund?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-1 wp-block-paragraph\">Wenn Sie sich mit Fragen zur eigenen Emotionsregulation besch\u00e4ftigen oder verstehen m\u00f6chten, warum bestimmte Gef\u00fchle nur in bestimmten R\u00e4umen sichtbar werden, k\u00f6nnen Sie sich gerne an mich wenden.<a href=\"\/en\/psychologische-beratung\/\" data-type=\"link\" data-id=\"\/psychologische-beratung\"> <\/a>In meiner <a href=\"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/psychologische-beratung\/\" data-type=\"page\" data-id=\"8009\">Counselling<\/a> arbeite ich mit Menschen daran, ihre inneren Muster zu erkennen und neue Formen des Umgangs mit Emotionen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-ast-global-color-8-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-2 wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Quelle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">G\u00f6tz, F. M., Stieger, S., Ebert, T., Rentfrow, P. J., &amp; Lewetz, D. (2021).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><em>What drives our emotions when we watch sporting events? An ESM study on the affective experience of German spectators during the 2018 FIFA World Cup.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-3 wp-block-paragraph\" style=\"color:#306456\">Collabra: Psychology, 7(1), 1\u201317. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1525\/collabra.25376?utm_source=copilot.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1525\/collabra.25376<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Beginn der WM entsteht ein Raum, in dem Gef\u00fchle sichtbarer werden als sonst, weil Menschen sich in einer gemeinsamen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"set","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-7764","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-psychologische-impulse"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7764"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7764\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8131,"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7764\/revisions\/8131"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.anna-wolf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}