Es gibt unzählige psychologische Theorien, an die ich in meinem Alltag mehr oder weniger bewusst denke. Besonders dann, wenn sie Erlebtes plötzlich einordnen können, wenn aus etwas Diffusem etwas Handfestes wird, dann wird Theorie zu einer Stütze.
Eine Theorie, die für meinen Arbeitsalltag fast existenziell geworden ist, ist die Selbstbestimmungstheorie. Sie beschreibt drei Grundbedürfnisse: Autonomie, Zugehörigkeit und Kompetenz. Ich merke, wie sehr ich Kraft daraus ziehe, mich kompetent und autonom zu fühlen, gerade an Tagen, an denen Energie knapp ist.
Die Selbstbestimmungstheorie (Self‑Determination Theory, SDT) von Edward L. Deci und Richard M. Ryan gehört zu den einflussreichsten psychologischen Motivationstheorien. Sie beschreibt drei psychologische Grundbedürfnisse, die für psychische Gesundheit und Entwicklung zentral sind.
Die Selbstbestimmungstheorie
- Autonomie beschreibt das Erleben von Selbstbestimmung.
- Kompetenz beschreibt das Erleben von Wirksamkeit.
- Zugehörigkeit beschreibt das Erleben von Verbindung.
Wenn diese Bedürfnisse erfüllt sind, entsteht oft Klarheit und Handlungsspielraum. Wenn sie verletzt sind, zeigen sich häufig Erschöpfung, Ambivalenz, innere Konflikte, Sprachlosigkeit oder Stagnation.
Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit im Arbeitsalltag
Autonomie zeigt sich in der Möglichkeit, Entscheidungen selbst zu treffen und das eigene Tempo zu bestimmen.
Kompetenz zeigt sich im Zugang zu den eigenen Fähigkeiten und im Gefühl, etwas bewirken zu können.
Zugehörigkeit zeigt sich in Momenten, in denen Verbindung spürbar ist und man sich als Teil eines sozialen Gefüges erlebt.
Diese drei Bedürfnisse wirken oft im Hintergrund und prägen den Arbeitsalltag stärker, als vielen bewusst ist. Sie beeinflussen, wie Menschen Belastung erleben, wie sie Entscheidungen treffen und wie sie mit Unsicherheit umgehen.
Die Beratungsbank als Ort der Selbstbestimmung
In meinem Beratungsformat Beratungsbank zeigt sich die Selbstbestimmungstheorie besonders deutlich. Dieser Ort macht Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit erfahrbar, sowohl für die Menschen, die sich setzen, als auch für mich als Beraterin.
Autonomie entsteht durch die Freiwilligkeit des Formats. Niemand braucht einen Termin. Menschen entscheiden selbst, ob sie sich setzen, wie lange sie bleiben und ob sie sprechen oder schweigen. Auch für mich entsteht Autonomie, weil ich frei entscheide, wann ich dort bin und wie ich Raum gebe.
Kompetenz zeigt sich im ersten Schritt, den jemand macht, indem er sich hinsetzt. Oft entsteht ein erster Satz, der vorher nicht möglich war. Meine eigene Kompetenz zeigt sich im Zuhören und im Vertrauen in meine Erfahrung.
Zugehörigkeit entsteht im gemeinsamen Sitzen im öffentlichen Raum. Menschen erleben für einen Moment Verbindung, ohne Verpflichtung. Für mich entsteht Zugehörigkeit, weil ich Teil eines sozialen Raums werde, der sich durch Begegnung formt.
Einordnung und weiterführende Informationen
Die Beratungsbank Berlin zeigt, wie niedrigschwellige Formate im öffentlichen Stadtraum wirken können. Menschen kommen ins Gespräch, weil der Ort offen ist und keine Voraussetzungen verlangt. Das reicht oft für einen ersten Schritt.
Weitere Informationen zur Beratungsbank Berlin stehen hier:
Eine fachliche Einordnung der Selbstbestimmungstheorie findet sich im Dorsch‑Lexikon:
