Viele Menschen bewegen sich zwischen zwei Extremen. Zu viel Anspruch wirkt schnell elitär, hart und distanziert. Zu wenig Anspruch wirkt beliebig, verwässert und ohne Linie. Ich habe gelernt, mich in der Mitte dieses Kontinuums zu bewegen, nicht aus Kalkül, sondern aus innerer Stimmigkeit.
Es erinnert mich an die Geschichte von Goldlöckchen und den drei Bären. Der erste Brei ist zu heiß, der zweite zu kalt, der dritte genau richtig. Das erste Bett ist zu hart, das zweite zu weich, das dritte genau richtig. Diese einfache Erzählung beschreibt ein Prinzip, das sich auf viele Lebensbereiche übertragen lässt: die Suche nach einem Maß, das weder überfordert noch unterfordert, sondern stimmig ist.
Meine Haltung dahinter
Damit ich motiviert bleibe, im Fluss bin und Energie freisetzen kann, brauche ich Sinn, Qualität, Klarheit, Haltung, Sprache, Ästhetik und Struktur. Dieser Anspruch dient nicht dazu, Menschen auszuschließen. Er hält meine Räume sauber. Das ist eine Form von Freiheit für mich.
Ich grenze mich nicht ab, ich wähle bewusst
Ich halte mich von Ereignissen, Menschen und Systemen fern, nicht aus Härte oder Desinteresse. Ich wähle, was zu meiner Linie passt, als Selbstfürsorge und als Orientierung für andere. Je klarer ich bin, desto leichter können Menschen mich wahrnehmen. Kommunikation wird einfacher.
Wie Networking für mich funktioniert
Ich definiere gerade meine eigene Art von Präsenz. Nicht laut, nicht abweisend, sondern klar, warm und anspruchsvoll.
Ich bin offen, aber nicht beliebig.
Ich bin anspruchsvoll, aber nicht elitär.
Ich bin frei, aber nicht chaotisch.
Es muss sich stimmig anfühlen, ein System, das ineinandergreift, Menschen, die wirkliche Anknüpfungspunkte haben.
Kohärenz als neuer Anspruch
Mein Anspruch aus Qualität, Sinn, Freiheit und Offenheit wird zu innerer Kohärenz, die nach außen sichtbar wird, in meinen Entscheidungen, in meinem Netzwerk, in meiner Art, mich zu bewegen. Es fühlt sich organisch an, ohne Druck und ohne Zwang.
Ich hatte lange keinen Zugang zu Kohärenz als Teil der Resilienzforschung. Es war ein Begriff, den ich für Prüfungen auswendig gelernt habe. Kohärenz stärkt Resilienz, Sinnhaftigkeit trägt, Freiheit reguliert, Selbstführung entsteht aus innerer Ordnung. Solange es nur Worte sind, bleibt es abstrakt. Jetzt beginne ich zu verstehen, was damit gemeint ist.
Warum Kohärenz ein Kern von Resilienz ist
In der Resilienzforschung, besonders bei Aaron Antonovsky, gilt Kohärenz als zentraler Faktor dafür, wie gut Menschen Belastungen verarbeiten. Der Kohärenzsinn besteht aus drei Elementen:
- Verstehbarkeit: Die Welt wirkt nicht chaotisch, sondern nachvollziehbar. Muster und Zusammenhänge werden erkennbar.
- Handhabbarkeit: Das Gefühl, mit dem, was kommt, umgehen zu können. Nicht perfekt, aber ausreichend.
- Sinnhaftigkeit: Das eigene Handeln hat Bedeutung und entsteht aus innerer Stimmigkeit.
Kohärenz ist kein Konzept, es ist ein Gefühl
Genau das erlebe ich gerade. Ich erkenne Muster in Netzwerken. Ich wähle bewusst, ohne mich zu überfordern. Ich handle sinnorientiert, nicht impulsiv. Ich bleibe frei, ohne chaotisch zu werden. Das ist meine Form von Resilienz.
Ich erlebe, dass Dinge zusammenpassen, dass Entscheidungen ineinandergreifen, dass Innen und Außen übereinstimmen. Ich beginne zu verstehen, was Kohärenz, Resilienz und Sinnhaftigkeit wirklich bedeuten.
Gedankenimpulse zur Selbstreflexion
- Wo verwechsle ich Anspruch mit Perfektionismus
- Was wähle ich bewusst und was vermeide ich nur reflexhaft
- Was fühlt sich gerade richtig an, nicht zu viel und nicht zu wenig
Quelle: Dorsch – Lexikon der Psychologie
