Heute bin ich aufgewacht mit dem diffusen Gefühl der Entrückung. Wieso kommt mir gerade dieser fremdarte Begriff in den Sinn? Im alten Brockhaus von meinem Urgroßvater ist unter dem Wort „entrückt“ die Erklärung „weltverloren“, aber auch „begeistert“ zu finden. Das trifft es ganz gut.
Wie soll ich anfangen?
Es ist der 02. Januar, das alte Jahr ist vorbei und dem neuen Jahr kann ich noch nichts abgewinnen. Ich freue mich an jedem Silvester, das alte Jahr zu beenden und spüre Freude und Begeisterung über die Möglichkeit, ein neues Jahr wie ein weißes Papier beschreiben zu können. Menschen benutzen oft den Ausdruck „zwischen den Jahren“ für die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester. Für mich beschreibt „zwischen den Jahren“ die Zeit vom 01. Januar bis 06. Januar. Ich sitze jedes Jahr in diesem Zeitraum da und frage mich, wie ich anfangen soll.
Es ist wert, über seine Werte nachzudenken
Beim Duschen kam mir der Gedanke, mich um meine Werte zu kümmern. Sie zu ordnen, zu priorisieren und sie als Richtwert und Orientierung für das neue Jahr zu nutzen.
Im Dorsch-Lexikon der Psychologie werden persönliche Werte [engl. personal values], definiert als „Überzeugungen einer Person zur Wichtigkeit von breiten, situationsübergreifenden Zielen (Ziele, persönliche) als Leitprinzipien in ihrem Leben.“
(Werte, persönliche – Lexikon der Psychologie, Hogrefe AG)
Präferenz-Matrix
Vor 12 Jahren habe ich begonnen aus einer Vielzahl von Werten 12 Werte auszuwählen und sie in einer Präferenz-Matrix gegenüberzustellen. Das bedeutet, dass ich jeweils bei zwei gegenübergestellten Werten entscheide, welchen Wert ich bevorzuge. Durch dieses Vorgehen erhalte ich dann eine Rangfolge mit dem wichtigsten Wert an erster Stelle. Über die Jahre bin ich auch dazu übergangen, einfach Listen mit meinen „Lieblingswerten“ zu erstellen, mittlerweile als Notiz auf meinem Handy. Auf der ältesten Notiz finde ich u.a. Werte wie Vertrauen, Akzeptanz, Aufmerksamkeit, Großzügigkeit, Flexibilität, Austausch, Fürsorge und Sorglosigkeit.
Welche Werte haben Bestand?
Die Wichtigkeit der Werte hängt stark von meinen aktuellen Lebensumständen und -bereichen ab. Nicht jeder Wert spielt in jedem Lebenskontext eine Rolle. Gewissenhaftigkeit und Fleiß bestimmen vermutlich eher die Arbeitswelt als eine Partnerschaft, in der Werte wie Zärtlichkeit und Fürsorge bedeutsam sind. Grundsätzlich finde ich die meisten Werte attraktiv, und es fällt mir schwer, mich zu entscheiden, welche denn nun wirklich die fundamentalen Werte für mich darstellen.
Es gibt da aber diese Werte, die für mich essentiell sind, die mein Handeln und Denken über Jahrzehnte beeinflussen, dazu zählen Humor, Kreativität, Mut und Autonomie. Dabei geht es nicht um „gute“ oder „schlechte“ Werte, sondern darum, was mich antreibt, welche Ziele ich mir setze, welche Werte mir helfen, ausgeglichen und erfüllt zu sein.
Top Drei für 2026
Meine drei Werte für das neue Jahr:
- Authentizität: Authentizität bedeutet für mich, mir selbst treu zu bleiben. Sie stärkt mein Selbstvertrauen, schafft Klarheit und reduziert Stress. Wenn ich meine Stärken und Schwächen anerkenne, kann ich Herausforderungen gelassener meistern und meine Resilienz fördern.
- Transparenz: Transparenz heißt für mich, Vertrauen und Sicherheit zu schaffen. Sie hilft mir, Missverständnisse und Fehler zu verringern und ermöglicht echte Teilhabe. Gleichzeitig steht sie für Gerechtigkeit und Ehrlichkeit, die mein Handeln leiten.
- Leidenschaft: Leidenschaft zeigt sich für mich in echter Begeisterung und engagiertem Einsatz. Sie gibt mir Kraft, Herausforderungen anzugehen, steigert meine Lebensfreude und unterstützt kreative neue Ideen. Ihre Wirkung kann inspirierend sein und Beziehungen beleben.
Bewusstmachung der Werte
Wir besitzen Werte oft unbewusst und schon seit der Kindheit. Meistens wissen wir nicht, dass sie da sind, obwohl sie unsere Überzeugungen und Gefühle bestimmen. Sich widersprechende oder einfach nur unterschiedliche Wertvorstellungen können zu innerlichen und äußerlichen Konflikten führen.
Gedankenimpulse zur Selbstreflexion
- Was war in Ihrer Kindheit besonders prägend
- Welche Gewohnheiten und Rituale sind Ihnen wichtig
- Welche Vorstellungen haben Sie über Ihre Rolle als Frau/Mann/diverse Person
- Welche Aufgaben haben Sie in der Gesellschaft
Wenn Sie das Thema weiter vertiefen möchten, begleite ich Sie gern in einem persönlichen Gespräch.
